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Männertreu – Deutscher Fernsehpreis, 5 Grimme-Preise und ein Hauptdarsteller in SØR

Er ist erfolgreich, smart, machthungrig und ein Schürzenjäger durch und durch. Und genau die Schwäche für das weibliche Geschlecht, werden dem Frankfurter Zeitungsverleger Georg Sahl (Matthias Brandt) zum Verhängnis, als er die höchste Stufe seiner Karriereleiter erklimmt und beinahe Bundespräsident wird. Die Produktion des Hessischen Rundfunks ”Männertreu” (Erstausstrahlung war im Juli 2014 auf ARD) ist der brilliante Beweis, das auch deutsches Fernsehen zu ungeahnten Leistungen fähig ist, sich thematischen Ecken und Kanten öffnet, ohne dabei mit dem gewohnten moralischen Zeigefinger zu wedeln. Trailer ”Männertreu”: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=50446

Die Hauptdarsteller Matthias Brandt und Suzanne von Borsody liefern sich ein gnadenloses Battle ihres schauspielerischen Könnens. Die Inszenierung der Regisseurin Hermine Huntgeburth verleihen dem Film einen ungewohnten Rhythmus der sich tänzerisch zwischen Drama und Satire bewegt. Den deutschen Fernsehpreis und fünf Grimme-Preise (Verleihung 27. März 2015) hat sich das Team und der Cast von Männertreu redlich verdient.

Wir sprachen mit Sabine Böbbis, der Kostümbildnerin von ”Männertreu”, über Verwandlungen durch Kleidung, Matthias Brandt und SØR:

Wie lange hat es gedauert bis Sie eine Vorstellung hatten wie die Figur Georg Sahl im Film gekleidet sein soll?

SB: Die Vorgespräche für Männertreu dauerten ca 5 Wochen. Wobei es bei der Figur des Georg Sahl von Anfang an klar war welchen Kleidungsstil er trägt.

Wie würden Sie seinen Stil definieren?

SB: Matthias Brandt verkörpert in diesem Film eine Person, die sich in gehobenen konservativen Kreisen bewegt. Bei seinem Kleidungsstil wurde auf modischen Schnick Schnack verzichtet und bewusst klassisch und zurückhaltend gearbeitet.

Verändert sich im Laufe des Film sein Stil? Ein Anzug erzeugt ja auch eine gewisse Haltung, passiert da etwas mit der Kleidung von Georg Sahl als er unter Druck gerät und seine Karriere ins Wanken kommt?

SB: Sein Stil verändert sich nicht. Wie Sie sagen, Kleidung gibt oder nimmt Haltung. Sie kann auch eine Haltung vortäuschen . Sie kann aber auch in jeder Form eine Art Rüstung sein, die Schutz gibt. Gerade die klassische Herrenbekleidung bietet mit ihrer perfekten Form und Farbgebung eine grossartige Fläche für Täuschungen. Man sieht im perfekten Anzug nicht ob der Träger gerade einen Nervenzusammenbruch hatte.

Wie viel eigenes von Matthias Brandt mussten sie berücksichtigen als Sie die Garderobe von Sahl anlegten? Muss man das überhaupt?

SB: Das kommt immer auf die Figur/Rolle an , die man entwickelt. Man berücksichtigt natürlich physiognomische Eigenschaften. Achtet auf Haut , Haar und Augenfarbe. Der private Kleidungsstil eines Schauspielers bleibt aussen vor. Man möchte ja eine neue Figur erschaffen. Klar, es gibt immer parallelen zur Privatkleidung. Schliesslich wird im zeitgenössischen Film ja das Rad nicht neu erfunden. Die Kostümbildnerische Tätigkeit sehe ich als eine Art Schuhanzieher für den Schauspieler, in seine zu verkörpernde Rolle.

Wie war die Zusammenarbeit mit Matthias Brandt ?

SB: Die Zusammenarbeit mit Matthias Brandt war eine grosse Freude. Ein Teamplayer mit viel Witz und gutem Humor. Er hat Ahnung von schönen und guten Stoffen, perfekter Passform, guten Schuhen und legt Wert auf diese Dinge.

Ab wann war für Sie klar, das die Filmrolle Georg Sahl SØR tragen muss?

SB: Von Anfang an. Denn SØR bietet mir als Kostümbildnerin den Vorteil, dass ich eine solche Figur komplett von A-Z im gleichen Haus ausstatten kann. Das ist ein grosser Komfort.

Wissen Sie noch wie viele SØR Outfits im Film zum Tragen kamen?

SB: Ich habe Die Rolle des Georg Sahl komplett in SØR eingekleidet und alle Kostüme und Outfits in Ihrem Haus gekauft. Mit einer kleinen Ausnahme –  Herr Brandt brachte seinen eigenen Smoking mit.

Was schätzen Sie persönlich an SØR?

SB: Die Qualitäten der Kleidung. Die Vielfalt des Angebotes. Den Stil des Hauses. Die fachliche Beratung ist exzellent! Ich habe Herrn Brandt bei SØR in Berlin ausgestattet. Wir wurden von Herrn Seiler beraten und betreut, alles war perfekt. Und wir hatten zudem auch noch grossen Spass bei dieser Anprobe, denn auch das darf nicht zu kurz kommen.

Nun wurde der Film reichlich mit Preisen geehrt, wie fühlt man sich damit?

SB: Die vielen Preise sind eine Ehre. Sie sind eine Wertschätzung. Für mich sind diese Auszeichnungen immer ein grosser Ansporn. Wie man so schön sagt, sollte man sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen sondern sie als Antrieb nutzen!

Was sind Ihre aktuellen und kommenden Projekte?

SB: Ich habe soeben einen Kinofilm unter der Regie von Hendrik Hölzemann fertiggestellt, der voraussichtlich im Herbst Winter in die Kinos kommt. Aktuell bereite ich wieder unter der Regie von Hermine Huntgeburth einen Tatort in Frankfurt mit Nicolas Ofzarek in einer Hauptrolle vor. Das ist spannend, da ich  zuvor noch nie einen Tatort gemacht habe.

Sabine Böbbis wurde 1963 in Fontainebleau (Frankreich) geboren. Eigentlich wollte sie Kunst studieren, doch die Leidenschaft für Mode und Textilien setzte sich durch. Wobei die bildende Kunst ihr auch heute noch als größte Inspirationsquelle im Beruf dient. Das Schneidern lernte sie autodidaktisch. Und absolvierte dann eine Ausbildung in der Gewandmeisterei der Kölner Oper bei Hrn. Fettes. In den 1980 Jahren entwarf Sabine Böbbis als freischaffende Kostümbildnerin vorrangig Bühnenoutfits für Musiker, bis sie 1990 zum Film kam. 2006 arbeitete sie zum ersten mal mit der vielfach ausgezeichneten Regisseurin Hermine Huntgeburth zusammen, seit dem sind zehn Filme in Zusammenarbeit entstanden. Unter anderem ”Neue Vahr Süd” (nach einem Roman von Sven Regner), ”Die Abenteuer des Huck Finn”, ”Tom Sawyer” und ”Männertreu”. Unvergesslich sind für die gebürtige Französin, die Dreharbeiten mit der legendären Jeanne Morreau für den Film ”I love you – I love you not. Sabine Böbbis lebt in Köln und Hamburg.

 


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