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INTERVIEW TEIL 2: KURATOR PHILIPP BOLLMANN...


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Materialien und Dessins der Krawatte

Seidenrips ist durch eine feine diagonal verlaufende Garbadine-Bindung mit stark strukturierter Oberfläche gekennzeichnet, die nicht bedruckt wird. Seidenrips wird für geschmackvolle Unis verwendet: Schwarz für die Trauer, silbergrau für fröhliche Anlässe; alle Farben des Regenbogens für Freizeit und Beruf. Muster werden bei Seidenrips immer gewebt. Typische Blazerkrawatten sind die die Regimentsstreifen (Regimental stripes) und Wappenkrawatten (Heraldisch). Sportclubs, Regimenter, Internate und Universitäten pflegen ihre eigenen Farben und Symbole. Detaillierte Informationen finden sich in: The Book of Public School Old Boys, University, Navy, Army, Air Force & Club ties. Der Ursprung der Club ties geht auf den Cricket-Club I Zangari in Cambridge zurück, der 1845 als erster Sportverein alle Mitglieder mit einer bunten Krawatte ausstattete. Das schottische Familienregister gibt Auskunft über die Farben der Clans und ihrer Karomusterungen.

Regimentsstreifen: Royal Army Dental Corps

Crêpe de Chine aus fein gezwirntem Seidenfaden empfiehlt sich für leicht transparent anmutende , hochelegante Krawatten. Dieser feine Seidenstoff eignet sich nicht für gewebte Muster. Die qualitätsvollen Stoffe werden bedruckt oder uni zu feinem Mohair oder Flanell getragen.

Gumtwill ist ein Twillgewebe aus reiner Seide und zeichnet sich durch besonders feinen Griff aus. Die Oberfläche ist weitaus feiner als bei Seidenrips-Krawatten. Die Musterungen der Gumtwill-Krawatten werden bedruckt. Besonders edel ist das Ancient-Madder-Verfahren. Die Madder-Wurzel gibt einer der ältesten Methoden des Stoffärbens ihren Namen, denn aus ihr wird der rote Farbstoff gewonnen. Heute wird er auf künstlichen Wege hergestellt. Unter Zugabe von Salzen werden die wunderschönen Maddertöne erzielt: rot, kastanienbraun, schokolade und terracotta. Die Paisley-Muster (Kaschmir-Muster) sind orientalischen Ursprungs. Dieses “Kommamuster” erinnert an die Handballen der Menschen, die ursprünglich ursprünglich im indischen Kaschmir-Gebiet Seidenstoffe mit ihren Händen bedruckt haben. In der britischen Kleinstadt Paisley wird dieses orientalische Fruchtbarkeitssymbol kopiert, als die Stoffe aufgrund eines Handelsboykottes  nicht mehr aus Indien zu importieren sind. Gumtwill-Krawatten werden gern zum sportlichen Sakko getragen und verbieten sich für offizielle Anlässe.

Krawatte mit Paisley-Muster

Wollkrawatten werden aus reiner Schurwolle, Lambswool, Alpaka und Cashmere in unterschiedlichen Mischverhältnissen gefertigt. Aufgrund ihrer weichen Ripsbindung sind sie weicher und schmeichelnder als Seidenkrawatten. Wollkrawatten empfehlen sich zu Sakkos und Anzügen aus sportiven, groberen Stoffen sowie Pullovern mit V-Ausschnitt. Muster können gewebt als auch gedruckt werden.

Mogador-Krawatten mit einer Kette aus Baumwolle und dem Schubladen aus reiner Seide, zeichnet sich trotz der Ripsbindung durch eine sehr feine, gleichmäßige Oberfläche aus. Die unifarbenen oder gestreiften Mogador-Krawatten brillieren mit einem matten Glanz. Sie werden bevorzugt zu feinen Anzug- und Sakkostoffen getragen, sind jedoch universell einsetzbar.

Mogador-Schleife

Irish-Popeline-Krawatten haben eine lange Tradition. Das Edikt von Nantes veranlasst im Jahre 1683 französiche Hugenotten, zumeist Seidenweber aus Avignon, Lyon und Tours, nach Irland auszuwandern. In Avignon dem Papstsitz zur Zeit des Schismas, werden im Auftrag des Papstes besondere Seidenstoffe, genannt “Popeline” (franz.: “pape”, engl.: “Pope”), gewebt. In Irland nehmen die französischen Auswanderer die Produktion des Seidenstoffes wieder auf. Irish-Popeline wird in einem Verhältnis von 50% Wolle und 50% Seide gemischt und aufwendig gewebt. Auf dem Webstuhl bilden die seidenen Kettenden die Oberfläche des Irish-Gewebes, das bereits im ungewebten Zustand das spätere Muster zeigt. Der achtmal dickere Schubladen aus Kammgarn wird nun in Form der Leinwandbildung durch die Kettenden geschossen. Aufgrund der Dicke des Wollfadens entsteht der Körpercharakter des Irish-Popelines. Die Oberfläche des vor- und rückseitig gleichen Materials besteht aus reiner Seide, die Wolle als Schubladen bilden das innere Gerüst des Irish-Popelines. Dieser aufwendige technische Webvorgang macht Irish-Popeline kostbarer als reine Seidengewebe.

Strickkrawatten aus Seide, Wolle oder Alpaka setzen einen sportlichen Akzent. Strickkrawatten werden zumeist uni getragen, Streifen- und Tupfenmuster sind möglich. Selbstgehäkelte Schlipse sind seit den frühen 60er Jahren nicht mehr üblich.

Strickkrawatte


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